Willkommen im europäischen Kindergarten
Schwimmen lernen: Lebenswichtig
Gastkommentar: Ruppiner Anzeiger (2.August 2006)
Schwimmen lernen: Lebenswichtig
Die Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bestätigt meine Befürchtungen von steigenden tödlichen Wasserunfällen. Gerade Freizeitkapitäne mit Kindern an Bord von Schlauch- und Segelbooten, Kanu oder Kajak, unterschätzen die Gefahren der Freizeit im und auf dem Wasser.
Im vergangenen Jahr starben 63 Kinder, 2004 waren es gerade 41. Der Anstieg um 53% ist aus Sicht des DLRG Präsidenten Dr. Klaus Wilkens außergewöhnlich. Im Hinblick auf die abnehmende Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung, besonders bei der jungen Generation, werden wir die Entwicklung in dieser Altersgruppe genau beobachten. Was ist umgehend zu tun im Landkreis ?
Kinder sind noch nicht in der Lage, die gesamte Tragweite ihres Handelns zu überschauen. Machen Sie Kinder möglichst früh mit dem Wasser vertraut: Kinder können schon ab vier Jahren Schwimmen lernen. Daher sollte es erklärtes Ziel, sein die Kinder mit dem Abzeichen für Schwimmanfänger, dem Seepferdchen, aus dem Kindergarten in die Schule zu entlassen. Erste Ansätze werden leider nur nach meinem Kenntnisstand im Europäischen Kindergarten in Neuruppin durchgeführt. Erziehungspersonen haben immer die Pflicht zur aktiven und konsequenten Aufsicht während der Ausbildungsstunden, trotz Badaufsicht.
Eltern sollten wissen, dass Kinder, die das Seepferdchen bestanden haben, noch keine sicheren Schwimmer sind. Sie sollten deshalb die Kleinen im und am Wasser nicht aus den Augen lassen und stets in Griffweite bleiben.
Kinder müssen genau wissen, was erlaubt, beziehungsweise verboten ist. Sicherheit ist jedoch nicht alleine durch Gebote und Verbote zu erreichen. Vor allem jüngere Kinder müssen häufiger an die wichtigsten Verhaltensregeln und Sicherheitsmaßnahmen erinnert werden, da einmalige Belehrungen vergessen werden.
Deshalb ist eine regelmäßige und situative Wiederholung von sicherheitsrelevanten Anweisungen sinnvoll.
Auch die Politik darf und kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen und sollte entsprechende Regelungen zum Schutz der Bevölkerung an und auf unseren Gewässern erlassen. Unbewachte Badestellen an den Binnengewässern sind die Gefahrenorte Nummer eins. Drei von vier Menschen, die in Deutschland Jahr für Jahr ertrinken, verlieren ihr Leben in Flüssen und Seen. Gefahrenanalysen für lokale Gewässer mit anschließenden Sicherheitsvorkehrungen, wie der Einrichtung eines Wasserrettungsdienstes, können helfen, diese Gewässer sicherer zu machen. Denn: Jeder Mensch, der sein Leben verliert, ist einer zu viel !
Jörg A. Nottle
Vize-Präsident DLRG OPR



