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Per "Zufall" zum Lebensretter
Per Zufall zum Lebensretter
Ronny Kretschmer ließ sein Blut testen und konnte einem 42-jährigen Familienvater helfen
ANDREAS VOGEL - Neuruppin, 14.01.2007

NEURUPPIN Er würde gern helfen, aber er kann nicht. Dabei weiß Ronny Kretschmer als examinierter Krankenpfleger, wie schwer es ist, für den gerade mal sieben Monate alten Corven einen passenden Knochenmarkspender zu finden. Der kleine Junge leidet an einer seltenen Immunschwäche, dem Wiscott-Aldrich-Syndrom. Dieses verhindert den Aufbau wirksamer Abwehrstoffe im Körper. Folge: Jeder Schnupfen, jede Erkrankung kann für Corven schlimmste Folgen haben. Helfen kann nur ein neues Immunsystem. Aber den passenden Spender für die Stammzellen zu finden, "das gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen", sagt Ronny Kretschmer.

Der 31-Jährige kennt die Diagnosen. Er ist Lebensretter, hat im vergangenen Jahr Stammzellen für einen 42-jährigen Familienvater gespendet, der an Leukämie erkrankt war. Ronny Kretschmer winkt ab. Für ihn war die Aktion eigentlich nichts Besonderes. "Wir waren im Juni mit dem Team der Kliniken beim Drachenbootrennen in Bremerhaven." Dort gab es einen Stand der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Die DKMS sucht weltweit nach passenden Spendern für Leute, die an einer Immunschwäche leiden.

Das gesamte Team des Neuruppiner Drachenbootes ließ sich in Bremerhaven piksen. Zwei Wochen später erhielten die gut 20 Paddler Bescheid, dass sie nun als Spender registriert sind. "Nur ich wurde gleich gefragt, ob ich bereit für eine weitere Untersuchung wäre." Ronny Kretschmer ließ erneut sein Blut untersuchen, fünf Zehn-Milliliter-Röhrchen, die in ein Speziallabor geschickt wurden. Seine Werte passten. Dann musste alles ganz schnell gehen. "Weil ich im November in den Urlaub geflogen bin", so Kretschmer. Er fuhr für einen Tag in die Uniklinik nach Dresden zu einem gesundheitlichen Rundum-Check. "Dresden deshalb, weil sich dort eine der wenigen Entnahmezentren der DKMS befindet." Der Neuruppiner war okay und bekam ein Hormon mit, das er sich die nächsten fünf Tage in die Bauchdecke spritzte. "Damit wird die Stammzellenproduktion vermehrt." Dann ging es erneut nach Dresden, diesmal zur Stammzellenentnahme. Für gut vier Stunden war Ronny Kretschmer an eine Dialyse angeschlossen, bei der die benötigten Stammzellen aus seinem Blut gesammelt wurden. "Für den Spender entstehen keine Kosten. Die werden alle von der DKMS übernommen", betont der Neuruppiner.

Für wen er Stammzellen gespendet hat, das weiß Ronny Kretschmer nicht. "Laut deutschem Datenschutzgesetz werden die Daten zwei Jahre unter Verschluss gehalten." Erst danach darf die DKMS Spender und Patienten miteinander bekannt machen, wenn es beide wünschen. Neugierig ist Ronny Kretschmer schon. Aber den ersten Schritt will er nicht wagen. "Ich möchte nicht auftreten und sagen, hallo, ich bin dein Lebensretter." Auch wenn er das ist: Der 42-jährige Familienvater hat die Behandlung gut überstanden. "Rückfälle sind aber nicht auszuschließen", sagt Ronny Kretschmer. Deshalb soll er zwei Jahre als Spender für den Mann bereitstehen. "Ich hoffe, dass am 28. Januar möglichst viele Neuruppiner zum Aktionstag für Corven in die Ruppiner Kliniken kommen", sagt Ronny Kretschmer. Das erhöht die Chancen für Corven. Denn bisher findet jeder vierte Patient mit einer Immunschwäche keinen passenden Spender. 16

Quelle: Märkisch Allgemeine Zeitung